Tostmann Logo ##Section Title##

Wie aus dem „Büchsenmeistergütl“ in Seewalchen am Attersee
die "Bandlkramerey" wurde ...

Das Roitherhaus, unter diesem Namen kennen es die meisten Seewalchner. Ein Blick ins Grundbuch verrät auch noch einen anderen Namen: "Büchsenmeistergütl. 

Die Herkunft des Namens "Büchsenmeistergütl" ist nicht mehr eindeutig nachvollziehbar.

Der Name "Bandlkramerey" mit etwas Erklärung allerdings schon:
"In den frühen Achtzigern des letzten Jahrhunderts wurde meine Mutter Gexi Tostmann informiert, dass in Reichraming in Oberösterreich ein Dorfgreißler für immer seine Rollläden geschlossen lassen werde. Die alte Einrichtung, vom Sohn des alten Greißlers für wertlos befunden, solle verbrannt werden. Meine Mutter machte sich auf den Weg nach Reichraming und erwarb die - plötzlich gar nicht mehr wertlosen - Möbel und brachte diese in die Wiener Geschäftsräume von Tostmann - in die Gewölbe des schönen Melkerhofes. Dort wurde aus dem Greißlerladen der "Bandlkramerladen". Eine Wortschöpfung, angelehnt an die Profession des Bandlkramers, einem von Haus zu Haus ziehenden Händler, der neben Töpferwaren, Bändern, Zwirnen und Nadeln noch vieles mehr auf seiner "Buckelkraxn" transportierte.

Über drei Jahrzehnte bot der Bandlkramerladen in Wien einen wunderbaren Rahmen für Aktivitäten unterschiedlichster Art: Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Diskussionen, Feste, uvm.

Und dann erfuhren wir vom geplanten Abbruch des Roitherhauses. Das Entsetzen war groß.
Jeden Tag, an dem ich am Haus vorbeifuhr, stellte ich mir die Frage, ob der Abbruch nicht zu verhindern sei. Der Zufall wollte es, dass wir den damaligen Eigentümer des Hauses kennenlernten. Er erzählte schwärmerisch über die schönen Tage in seiner Kindheit, die er im Haus der Tante verbrachte. Dies gab mir Hoffnung. Und so kamen wir ins Gespräch. Wir überlegten, was man daraus machen könnte und was ist naheliegender als ein "Haus der Tracht" - oder vielleicht besser: der BeTRACHTungen. Schnell wurden wir uns einig und unterzeichneten den Vertrag.

Und wie solle man es nun nennen, dieses "Haus der BeTRACHTungen", das schließlich viel mehr werden sollte?
Da wurde ein neuer Name geboren: die "Bandlkramerey"!

Waren es doch auch die Bandlkramer, die Geschichten und Neuigkeiten von Ort zu Ort trugen. Und so soll auch dieses Haus ein Ort der Begegnung, des Geschichtenerzählens und vielem mehr werden.

So war es nach über dreißig Jahren in Wien Zeit für den "alten Herren", zurück in seine oberösterreichische Heimat zu kommen, um mit einem ebenfalls schon dem Untergang geweihten Haus zusammen zu finden.

Anna Tostmann-Grosser